16. Februar 2019

Gut besuchte Einwohnerversammlung

Großes Interesse am geplanten Hotel am Kurhaus

Einwohnerversammlung

Gut besuchte Einwohnerversammlung zum Hotelprojekt in Kirchzarten. Hier stellt der Investor Joachim Niehaus das Projekt vor.
Foto Dagmar Engesser

Kirchzarten (de.) Schon in den 60er Jahren war es Ziel des damaligen Bürgermeisters Dr. Gremmelsbacher, ein Hotel neben dem Kurhaus anzusiedeln. Es meldeten sich auch immer mal wieder Investoren, doch bisher zerschlugen sich sämtliche Pläne.

Jetzt ist mit Joachim Niehaus, Geschäftsführer des Freiburger „Hotel am Stadtgarten“, ein Investor da, dem es Ernst ist: er möchte dort ein Vier-Sterne-Superior-Hotel mit gehobener Gastronomie, Fitnessstudio und Wellnessbereich realisieren. Das Kurhaus mit seinen Seminarräumen will er in seinem Konzept für 33 Jahre als Pächter übernehmen, es sanieren und auf neuesten Stand bringen. Zusätzlich will er auf dem benachbarten Gelände 50 Wohneinheiten errichten. Der Verkaufserlös der Wohnungen soll in die Sanierung und den Unterhalt des Kurhauses reinvestiert werden.

Der Gemeinderat beschäftigt sich mit dem Projekt schon längere Zeit und hat eine Wirtschaftlichkeits- und Machbarkeitsstudie von der Unternehmensberatung Treugast zu diesem Projekt erstellen lassen.

Da es noch viele offene Fragen gibt und es ein wichtiges Projekt für Kirchzarten ist, beschloss der Gemeinderat eine Einwohnerversammlung zu diesem Thema durchzuführen, die am vergangenen Dienstag stattfand. Dort wurden das Hotelprojekt und die Machbarkeitsstudie im Detail dargestellt.

Danach hatten die Bürger und Bürgerinnen die Möglichkeit, Fragen zu stellen und ihre Meinung kund zu tun.

Hinterfragt wurde ganz grundsätzlich, ob Kirchzarten angesichts des knappen Baulands überhaupt ein Hotel brauche und Wohnungsbau nicht viel wichtiger sei. Geäußert wurden Bedenken in Bezug auf ein erhöhtes Verkehrsaufkommen durch das Hotel und kritisch nachgefragt wurde auch bei den Grundstückspreisen, vor allem bei der Wohnbebauung. Subventioniert die Gemeinde hier einen freien Unternehmer, wenn sie das Grundstück für die Wohnbebauung für 550,- Euro abgibt, wo der Marktwert doch deutlich höher liegt? Außerdem wird befürchtet, dass teure Luxuswohnungen entstehen.

Es gab jedoch auch flammende Plädoyers für das Hotel. Das Projekt ermögliche den Erhalt des Kurhauses, das den Gemeindehaushalt jährlich mit 150.000,- Euro belastet. Das Hotel schaffe Arbeitsplätze und eine höhere Übernachtungszahl käme auch der heimischen Wirtschaft zugute.
Dass das Hotel auch für das Institut für angewandte Kinesiologie IAK von Bedeutung ist, machte Geschäftsführer Alfred Schatz klar. Das Institut ist seit dreißig Jahren Pächter des Kurhauses und bietet erfolgreich Seminare und Kurse im Kurhaus Kirchzarten an, die von Teilnehmern aus aller Welt besucht werden. Durch die in den letzten Jahren durchgeführte Kurhaussanierung stieg die Pacht und problematisch sei auch, dass der Gastronomiebetrieb im Kurhaus zurzeit nicht existiert. Das werde von den Seminarteilnehmern sehr negativ rückgemeldet. Um erfolgreich am Markt bestehen zu können, müsse das Konzept weiterentwickelt werden, um neue Klientel bewerben zu können. Eine angegliederte Gastronomie und ansprechende Übernachtungsmöglichkeiten sei dafür vorteilhaft. Wird das Hotelprojekt nicht realisiert, müsse das Institut für angewandte Kinesiologie über einen anderen Standort nachdenken.

Das IAK ist ein für Kirchzarten wichtiger Wirtschaftsfaktor, der der Kommune viele Übernachtungen beschert. Außerdem bezahlt das IAK zuverlässig Pacht für das Kurhaus.
Seit kurzem liegt ein Alternativvorschlag zu den Niehaus-Plänen vor, die sich an den Vorgaben des geltenden Bebauungsplans orientieren.

Der Architekt Dirk Herlitzius schlägt vor, den Hotelneubau auf das Kurhaus Grundstück zu verlagern, dort sei noch ausreichend Platz vorhanden. Durch diese Verlagerung könnte ein weiterer Wohnhof mit bis zu 100 Wohneinheiten gebaut werden. Für das Kurhaus sieht er mehrere Optionen, bis hin zu Abbruch und Neubau.
Auf der Einwohnerversammlung wurde angeregt, mit Niehaus über diesen Alternativplan zu sprechen.

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