18. November 2018

Kirche vor Ort will Transparenz bei Finanzen

Seelsorgeeinheit Dreisamtal legte erstmals einen Haushaltplan für 2016/2017 vor

Gemeindehauses St. Gallus
Die bevorstehende Sanierung des Gemeindehauses St. Gallus ist auch im Haushaltsplan berücksichtigt. Foto: Gerhard Lück

Kirchzarten (glü.) Seit fast zwei Jahren gibt es die Seelsorgeeinheit Dreisamtal als Zusammenschluss der Pfarreien in Kirchzarten, Buchenbach, Stegen, Eschbach, Oberried und Hofsgrund. Vieles ist noch neu – für die Hauptamtlichen wie für die Ehrenamtlichen und Gemeindemitglieder. Gottesdienstangebote haben sich verändert, in Stegen wohnt kein Geistlicher mehr. Und ganz neu war es jetzt in diesem Jahr für Stiftungsrat und Pfarrgemeinderat (PGR), einen gemeinsamen Haushaltsplan für alle sechs Pfarreien zu erstellen. Der ist seit einigen Monaten fertig und wurde jetzt der Presse vorgestellt.

PGR-Vorsitzender Stefan Eschbach beschrieb den Weg zum fast einen Ordner füllenden Gesamtwerk. Der Leiter der Kath. Verrechnungsstelle Stegen Jürgen Rees unterstützte ihn dabei, denn schließlich erfüllt seine mit 23 Mitarbeitern besetzte Dienststelle eine wichtige Dienstleister-Funktion beim Finanz- und Personalwesen der Seelsorgeeinheit. Bis der Haushaltsplan, ein „Doppelhaushalt“ für 2016 und 2017, vom Pfarrgemeinderat verabschiedet wurde, war ein langer intensiver Beratungsweg notwendig.

Zunächst erfolgte in den einzelnen Pfarreien eine Bedarfserhebung der notwendigen Finanzmittel. Diese ging dann an die Verrechnungsstelle zur Zusammenstellung und Prüfung. Wichtig sei beispielsweise, so Stefan Eschbach, die Bedarfsprüfung für den Unterhalt der vielen kirchlichen Gebäude im Dreisamtal: „Das muss alles auf der Pastoralkonzeption fußen.“ Relativ einfach sei der Finanzbedarf für Personalkosten z.B. für die Kindergärten oder Hausmeister zu ermitteln. Pfarrer, Pastoralreferenten und Gemeindereferenten sind übrigens nicht im Haushalt aufgeführt. Sie werden direkt vom Erzbistum Freiburg bezahlt. Der von der Verrechnungsstelle erstellte erste Haushaltsplanentwurf geht zunächst wieder in den Stiftungsrat, der ihn nochmals prüft, bevor er dann vom Pfarrgemeinderat verabschiedet wird. „Es war jetzt beim ersten Mal nicht immer einfach“, erinnert sich Stefan Eschbach, „Stiftungs- und Pfarrgemeinderat mussten intensiv global für die Seelsorgeeinheit denken, über ihre eigene Pfarreigrenzen springen. Eine große Hilfe ist für uns, dass die Verrechnungsstelle für jede Pfarrei Verwaltungsbeauftragte hat, die uns unterstützen.“

Der Haushaltsplan 2016/2017 der Seelsorgeeinheit Dreisamtal hat ein Volumen von über acht Millionen Euro. Den Erträgen von 8,035 Mio. Euro stehen Aufwendungen von 8,388 Mio. Euro gegenüber. „Mit der Unterdeckung von 353.000.- Euro ist der Haushalt leicht defizitär“, stellt Jürgen Rees fest. „Doch das ist noch nicht problematisch.“ Größter Posten bei den Einnahmen sind 4,540 Mio. Euro Zuschüsse und Erstattungen. Darin sind v.a. die Beteiligungen der Kommunen an den fünf kirchlichen Kindergärten enthalten. Kirchensteuerzuweisungen schlagen mit 1,852 Mio. Euro zu buche. Und in den betrieblichen Erlösen von 952.000.- Euro stecken v.a. die Elternbeiträge der Kindergärten. Größter Ausgabenposten ist der Personalaufwand von 5,619 Mio. Euro. „Das sind v.a. die Erzieherinnen“, stellt Rees klar. Aber auch die Gebäude kosten mit 1,285 Mio. Euro für den Erhalt einiges. Für investive Maßnahmen z.B. in Kindergärten, Gemeindehäusern oder Kapellen sind 1,073 Mio. Euro vorgesehen. Gut 450.000.- Euro wendet die Seelsorgeeinheit auf, um die Standards und Qualität ihrer Kindergärten zu sichern, in denen sie eigentlich eine kommunale Aufgabe übernimmt.

Für Pfarrer Werner Mühlherr ist als Leiter der Seelsorgeeinheit wichtig, dass „beim Geld die Freundschaft nicht aufhört“. Auch beim Haushalt möchte er, dass Geschwisterlichkeit und solidarischer Geist tragende Elemente sind. Wichtig ist ihm, dass die Gremien die unterschiedlichen Bedürfnisse der unterschiedlichen Pfarrgemeinden und ihrer Verbände berücksichtigen. Und Vorrang habe für ihn „Mensch vor Material“. Menschen und Gruppierungen müssten unterstützt werden, damit dort der Glaube gelebt und weitergegeben werde: „Wir wollen eine Kirche sein, die den Menschen dient.“ Und für den PGR-Vorsitzenden Eschbach ist wichtig: „Es muss bewusst werden, dass wir als Kirchen offen und transparent mit Geld umgehen.“