16. Oktober 2018

Hotel am Radschert: Viele Todtnauberger sind dagegen

Über 400 Besucher bei der Bürgerinformation am Mittwoch dieser Woche im Kurhaus

Todtnauberg (hs.) Im bis auf den letzten Platz besetzten Kurhaus hatte die Stadt Todtnau letzten Mittwoch zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Hauptsächlich ging es um die geplante Hotelanlage auf dem Radschert oberhalb des Ortes bei der Jugendherberge.
Ortsvorsteher Heribert Wunderle begrüßte die Anwesenden und zeigte sich „absolut begeistert“ ob des großen Interesses. „Wir sind hier, um über ein großes Projekt für Todtnauberg zu sprechen“.
Todtnaus Bürgermeister Andreas Wießner sah andere Projekte als wichtiger. Äußerst ausführlich erläuterte er die Vorhaben der kommenden zwei Jahre, immerhin ein Gesamtvolumen von rund 70 Mio. Euro.
Deutlicher Unmut machte sich breit unter den Zuhörern, nach 1:20 Std. wurde das seit 18 Jahren amtierende Stadtoberhaupt endgültig darauf hingewiesen, dass man wegen etwas anderem ins Kurhaus gekommen sei als wegen dem Feuerwehrhaus in Muggenbrunn oder der Wasserleitung von Präg nach Herrischried. Worauf er zum Thema kam und verlauten ließ, dass man seit zehn Jahren über ein neues Hotel in Todtnauberg nachdenke und bereits 2014/15 ein solches am Radschert in Erwägung gezogen hatte und damals Gemeinde- und Ortschaftsrat geschlossen hinter dem Vorhaben stand. Schon damals wollte man aber unbedingt „ein Hotel mit Label“, was soviel heißt, als dass man sich eine größere Kette als Betreiber wünscht. Mit „Landal Green Parks“ aus den Niederlanden hätte man nun einen solchen Betreiber gefunden. Wobei der Investor selbst ein holländischer Generalbauunternehmen sei. Geplant ist das „Naturresort Todtnauberg“, eine Anlage, bestehend aus 63 „familienfreundlichen“ Suiten mit Haupthaus und zehn Einzelgebäuden, denen ein öffentliches Restaurant mit 350 Plätzen, 96 davon im Wintergarten, angehört. Dazu kommt ein Hallenbad und mindestens eine Boutique, jedes Haus soll über Saunen und Aufzug verfügen. „Landal generiert 70% seiner Gäste aus eigener Initiative“, so der Bürgermeister, was dem Ort neue Gästestrukturen bringen soll. Der Bürgermeister bat alle, auch die Vorteile des Projektes zu sehen. „Alle Beteiligten haben viel dafür investiert“, und er meinte damit die Verantwortlichen im Todtnauer Rathaus und die Entscheidungsträger unter den Investoren und Betreibern.
Die in der Tagesordnung festgelegte Reihenfolge – erst die Projektbefürworter, dann die Gegner – wurde auf Wunsch des Publikums unterbrochen, was Kathrin Egle in den Mittelpunkt rückte: „Ich hab mir Sorgen gemacht über die mögliche Entwicklung“. Die in Todtnauberg wohnende Marketingfachfrau hatte in jüngerer Zeit eine Gruppe 40 junger Todtnauberger zusammengetrommelt, die im Rahmen einer Projektarbeit Gegenwart und mögliche Zukunft Todtnaubergs darlegten. Gegenstand war auch hier unter anderem das geplante Hotel, dazu wurden aber gleich auch weitere Fragen in den Raumgestellt: Wann „unser“ Wohnraum kommt, ob es ein touristisches Gesamtkonzept gibt, wie man sich die neue Verkehrslage vorstellt und ob da möglicherweise „die „Rollladensiedlung Nr. 10“ entsteht. „Wir packen mit an, möchten aber gerne über unsere Zukunft und anstehende große Projekte mitreden. Es gibt immer zwei Seiten und wir stehen dafür, für möglichst vieler aller Beteiligten das Beste herauszuholen. Und wir sehen auch ganz klar den Punkt, dass wir nicht stehen bleiben dürfen, sondern der Ort voranbringen möchten“. Sie erwähnte in Sachen Hotel die ihrer Meinung nach mangelnde Kommunikation im Vorfeld. Untermalt wurde der Vortrag durch einen recht nett gemachten Videoclip.
„Nach diesem emotionalen Film hab ich’s schwer“ meinte Hansjörg Mair, der nächste Referent. Seit November letzten Jahres leitet er die Schwarzwald Tourismus GmbH. Der Südtiroler berichtete aus seiner Heimat und versuchte, Parallelen darzustellen zwischen dort und dem Schwarzwald. Was aber niemanden so recht interessieren wollte, weshalb sein Vortrag nur kurz ausfiel. „Es braucht Innovation und Leuchttürme. Im Tourismus darf man nicht stehenbleiben“, so sein Resumée.
Nun, es war bald 22 Uhr, kam die Bürgerinitiative zu Wort. 48 Todtnauberger haben sich darin zusammengeschlossen und 786 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Sie ließen schon mal kein gutes Wort über Investor und Betreiber. Die prognostizierte Zahl der neu zu schaffenden Arbeitsplätze könne nicht stimmen, sowohl wirtschaftliche Lage als auch Besitzverhältnisse innerhalb des Betreibers seien undurchsichtig, die veranschlagte Bauzeit unrealistisch und die schmale Radschertstraße dem Ganzen sowieso nicht gewachsen. Wobei Wießner die zeitgleiche Straßensanierung in Aussicht stellte. „Wir bitten die Ortschaftsräte dringend, diesem Projekt nicht zuzustimmen“, so die Initiative weiter.
Von den „normalen“ Besuchern der Bürgerversammlung kamen dann zahlreiche Wortmeldungen, von denen lediglich die einer Hotel-Seniorchefin das Hotelprojekt positiv sah. „Der Tourismus ist in Todtnauberg rückläufig“. Tatsächlich liegt die aktuelle Auslastung bei den Beherbergungsbetrieben bei gerade mal 28%.
Weiteren Fragen der Projektgegner, die direkt an Bürgermeister Wießner gerichtet waren, wich dieser aus oder kam ausführlich vom Thema ab. Mit dem dringenden Wunsch nach einem Bürgerentscheid beendete die Bürgerinitiative ihre Ausführungen.
Nach vier unterhaltsamen Stunden endete die Informationsveranstaltung. Wenngleich die Mehrheit der Todtnauberger gegen das Hotelprojekt zu sein scheint, ist es lange nicht vom Tisch. Gemeinde- und Ortschaftsrat wird diese Sache sicher noch ein Weilchen beschäftigen.