10. Dezember 2018

Franz Gutmann zum 90. Geburtstag

Der Münstertäler ist als Bildhauer und Künstler weit über die Grenzen Südbadens hinaus bekannt.

Obermünstertal (hs.) Wer sowohl Joseph Beuys als auch Albert Schweitzer persönlich kannte, hat offensichtlich ein bewegtes Leben hinter sich. Franz Gutmann aus dem Münstertäler Ortsteil Stohren kann auf ein solches zurückblicken. Am heutigen Mittwoch wird er 90.

Franz Gutmann besuchte die Krummlindenschule in Münstertal. Nach dem Abitur am Freiburger Friedrich-Gymnasium folgten zwei Semerster Theologiestudium, ehe er seine wahre Leidenschaft zum Lebensinhalt machte: Die Kunst der Bildhauerei. Nach drei Semestern an der Freiburger Kunstakademie wechselte er an dieselbe in Düsseldorf, wo er als Meisterschüler bei Ewald Mataré bereits nachhaltig auf sich aufmerksam machte. Ein Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen führte ihn ein Jahr nach Zentralafrika – wo er auch fünf Monate beim bekannten Urwalddoktor Albert Schweitzer in Lambaréné weilte. Eine Zeit, die ihn, wie er sagt, sehr geprägt hat und die Ausdrucksformen seiner Werke nachhaltig beeinflussten.
Gutmanns bevorzugte Materialen sind Holz, Stein und Metall. Sein Atelier in Obermünstertal ist sein Lebensmittelpunkt seit 1962. Dort lebt er mit seiner Frau Karin, mit der er 49 Jahre verheiratet ist. Eine Tochter, Landschaftsarchitektin, wohnt im Nebenhaus, sein Sohn ist Architekt in Berlin.
Gutmann erhielt 1980 den Kunstpreis der Wirtschaft am Oberrhein. 2002 wurde ihm der Professorentitel verliehen. Münstertals Bürgermeister Rüdiger Ahlers: „Wir sind sehr stolz, einen solch verdienten Künstler in unserer Gemeinde zu haben. Sein ganzes Leben war er uns sehr zugetan – hat konstruktiv und fair unser Dorf künstlerisch begleitet“. Zeugnisse seines Schaffens sind das Ross vor dem Rathaus – ein charakteristisches Schwarzwälder Kaltblut, wie auch eines in St. Märgen und in einem Museum am Niederrhein steht – sowie die Figuren in der Sparkasse, in der Abt-Columban-Schule und rund ums Kloster St. Trudpert, um nur einige zu nennen.

„Ich stehe jeden Morgen um halb acht auf, trinke ein Glas Wasser und geh in meine Werkstatt, bis es mit schwindlig wird“, so der Jubilar, der im Moment an einem Relief über den Hl. St. Trudpert arbeitet, dem Namenspatron des Klosters unten im Tal, mit dem Gutmann sehr verbunden ist. Der künstlerische Lebensweg von Franz Gutmann ist im Moment auch in einer Ausstellung im „Haus der modernen Kunst“ in Staufen-Grunern zu besichtigen. Es werden Skulpturen aus Holz und Bronze aus seiner gesamten Schaffensperiode gezeigt. Auch Zeichnungen aus den 1950er Jahren aus seiner Zeit in Lambaréné sind ausgestellt. In der Ballrechter Straße 19 in Staufen-Grunern zu sehen Donnerstag bis Sonntag von 15-18 Uhr und nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei.
Und was mein Franz Gutmann selbst zu sich und seinem Leben: „Im Münstertal wurde ich 1928 geboren. Mein Vater zeigte mir, wie man eine Axt schleift. Wichtigeres habe ich seither nicht mehr gelernt.“

Franz Gutmann in seinem „Skulpturenlager“

. . . und vor dem von ihm kreierten Hirsch in seinem Garten.

Das Ross – hier bei der Sparkasse/Rathaus in Münstertal. Das gibt es noch zwei weitere Male: In St. Märgens Ortsmitte und in einem Museum am Niederrhein.
Fotos: Hanspeter Schweizer